Der ÖHV beim NÖ Hundesicherheitsgipfel

Am 24. Oktober lud der Tierschutzlandesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) zu einem Hundesicherheitsgipfel ins NÖ Landhaus. Neben dem ÖHV, vertreten durch Dr. Hans Mosser und Gerald Pötz, waren noch zahlreiche weitere Experten vertreten, darunter auch die geprüfte Kynologin und ÖHV-Expertin Yvonne Adler.

Es herrschte weitgehende Einigkeit, was das Thema Rasselisten betroffen hat. Das ÖHV-Team, sowie Dr. Heinz Heistinger (Präs. der Landesstelle NÖ der Österr. Tierärtzekammer), Dr. Lucia Giefing (NÖ Tierschutzombudsfrau), Dr. Michael Kreiner (ÖKV), Karina Kalks (Hundetrainerin), Georg Sticha und Harald Zehetner (Österr. Rottweilerklub) sprachen sich gegen Rasselisten aus, jedoch für eine partielle Maulkorbpflicht an stark frequentierten Orten – und zwar für alle Hunde, unabhängig von der Rasse.

Der Amtstierarzt aus dem Bezirk Tulln, Dr. Christoph Hofer-Kasztler, sprach sich als einziger für die bestehende Rasseliste aus und plädierte dafür, noch weitere Rassen auf die Liste zu setzen, wie z.B. den Akita, den Kangal, Herdenschutzhunde usw. Begründen konnte er seine Forderung jedoch nicht, außer, dass es mit „solchen“ Hunden in seinem Bezirk zu Zwischenfällen gekommen sei und sie deshalb auf die Liste müssten. Auch begrüßte er, dass Listenhunde bei Hundeausstellungen einen Maulkorb tragen müssen. Dr. Christoph Hofer-Kasztler fand allerdings keine Unterstützer bei seinen Forderungen. Selbst der Gastgeber, Tierschutzlandesrat Gottfried Waldhäusl, sprach sich gegen Rasselisten aus.

Landesrat Gottfried Waldhäusl mit ÖHV-Präsident Dr. Hans Mosser

Der ÖHV-Präsident Dr. Hans Mosser sprach zum Thema „Hundebeißunfälle bei Kindern: Ursachen und Prävention“. Weiters belegte er mit diversen Studien, dass die Hunderasse als Abstraktum kein Merkmal für die Gefährlichkeit eines konkreten Hundes ist. Eine Analyse von 256 tödlichen Hundebeißunfällen in den USA zeigte, dass in 80,5% das Zusammentreffen von mind. vier (vermeidbaren) Faktoren verantwortlich sein können – nicht jedoch die Hunderasse. Dr. Hans Mosser trug auch aktuelle Zahlen aus Oberösterreich vor, einem Bundesland, in dem es keine Rasselisten gibt. Bei einer Zunahme der Hundepopulation in den letzten 10 Jahren von 56.850 auf 74.446 Hunden nahm die Anzahl der Bissverletzungen trotzdem von 322 auf 206 ab. In OÖ gibt es den „allgemeinen Sachkundenachweis für jeden „künftigen Hundehalter“ (§§ 1 u. 2), sowie den „erweiterten Sachkundenachweis bei auffälligem Hund“ (§ 4). Keine Rasseliste und keinen generellen Maulkorb- und Leinenzwang.

Dr. Hans Mosser vom ÖHV stellte folgende Forderungen zur Diskussion:

  • Verpflichtender Nachweis von Sachkunde VOR und Praxis NACH Anschaffung des Hundes
  • Bundesweite Registrierung auffälliger Hunde, Halter & Züchter
  • Jährlicher Tierarztbesuch, um schmerzbedingte Ursachen auszuschließen
  • Maulkorb/Leine in vorhersehbaren Stresssituationen (z.B. Menschenansammlungen)
  • Erweiterte Meldepflicht bei Hundebeißunfällen (Unfallanalysen)
  • Verpflichtender Herkunftsnachweis des Hundes
  • Stärkere Kontrolle der Hundezucht & Heimtierzuchtgesetz
  • Aufklärung über Umgang mit Hunden

Die Experten haben den anwesenden Politikern mit ihren Impulsvorträgen und der anschließenden Diskussion eine gute Übersicht und Grundlage für die Ausarbeitung eines neuen Hundehaltegesetzes geboten. Es ist zu hoffen, dass die Experten Gehör finden und nicht schlussendlich das Gegenteil verwirklicht wird, wie dies die Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) 2010 gemacht und aktuell erneut „durchpeitscht“ hat.