Hätte Hunde-Biss, bei dem ein Kind getötet wurde, ohne „Simas Liste“ verhindert werden können?

Laut Stadträtin Ulli Sima hat Wien mit seiner Rasseliste das strengste Tierhaltegesetz Österreichs

Österreichischer Hundehalterverband kritisiert: was keine Unfallursache ist, ist als Präventionsmaßnahme wirkungslos

Stadträtin Uli Sima betonte am Sonntag in wien.orf.at, dass Wien das strengste Tierhaltegesetz Österreichs habe. Die ständigen Novellierungen (mittlerweile 12) beweisen jedoch dessen Wirkungslosigkeit, so der Österreichische Hundehalterverband (ÖHV).

Der Grund für die fehlende nachhaltige Wirkung von Simas Plänen ist, dass die Rasse eines Hundes nach allen wissenschaftlichen Analysen nicht zu den Ursachen eines Beißunfalls gehört. Daher könne eine „Rasseliste“ mit besonderen Auflagen für bestimmte Hunderassen auch keine präventive Wirkung haben, betont der Präsident des ÖHV, Dr. Hans Mosser: „Die EINE Unfallursache gibt es nicht. Studien zeigen, dass bei Beißunfällen zumindest vier, meist vermeidbare Faktoren zusammenspielen. Und Hunderasse sei davon kein Faktor!“ Mit einer durchdachten und sinnvollen Hundehalteverordnung anstatt „Simas Liste“ hätte der Vorfall mit dem Rottweiler, bei dem ein Kind getötet wurde, vielleicht verhindert werden können.

Mosser, der als Arzt u.a. auch in der wissenschaftlichen Evaluierung von Hundebeißunfällen im Kindes- und Jugendalter tätig war, verweist vielmehr auf das oö. Hundehaltegesetz und die oö. Hundehalte-Sachkundeverordnung. Diese seien die richtigen Ansätze zu einer sinnvollen Prävention von Hundebeißunfällen. Der darin verpflichtende Sachkundenachweis vor dem ersten Hundekauf und eine erweiterte Sachkunde und praktische Ausbildung bei Identifikation eines (von der Rasse unabhängigen) Hundes mit erhöhtem Gefahrenpotenzial hätten die Beißunfälle in Oberösterreich zwischen 2007 und 2017 von 0,56% der Gesamtpopulation von Hunden auf 0,27% gesenkt (von 322 auf 206 Beißverletzungen), und dies trotz Zunahme der Zahl der gemeldeten Hunde von 56.850 auf 74,446“. Dieser oberösterreichische Ansatz sei „nachhaltig wirksam“, so Mosser, und solle daher bundeseinheitlich verpflichtend werden und alle Ländergesetze ersetzen.

Der Österr. Hundehalterverband präsentiert ein wissenschaftliches Maßnahmenpaket zur Prävention von Hundebeißverletzungen, das auf Faktoren eingeht, welche wissenschaftlich als Ursachen erkannt sind.

  • Herkunftsnachweis des Hundes
  • Stärkere Kontrolle der Hundezucht
  • Sachkundenachweis VOR + praktische Ausbildung NACH Hundekauf
  • Hund unter besonderer Kontrolle in Stresssituationen (Menschenansammlungen: Maulkorb/Leine)
  • Verpflichtender jährlicher Tierarztbesuch
  • „Gefährlicher Hund“: Erweiterte Sachkunde + praktische Ausbildung
  • Erweiterung der Meldepflicht bei Beißunfällen (Erfassung gefährlicher Hunde + Ursachenanalyse)
  • Klare Richtlinien, wo Freilaufzonen
  • Bundeseinheitlichkeit