Hundebisse bei Kindern: Zu 80% stammt der Hund aus dem Bekanntenkreis

Vermeidung durch Wissen und Prävention!

Der Arzt und Präsident des Österr. Hundehalterverbandes Dr. Hans Mosser hat zum Thema Hunde-Beißunfälle im Kindes- und Jugendalter eine Metaanalyse erstellt, die schon 2003 im Hundemagazin WUFF publiziert wurde. In dieser Metaanalyse wurden 25 Primärstudien zum Thema Hunde-Beißunfälle im Kindes- und Jugendalter in Bezug auf die Charakteristika der involvierten Parameter (Hund, situative Bedingung, Unfallopfer) ausgewertet. Ziel der Arbeit war die Identifikation von Risikofaktoren als Basis für eine suffiziente Unfallprävention. Aufgrund der großen Heterogenität und fehlenden Standardisierung der untersuchten Variablen der Primäranalysen besaßen nur die folgenden Daten ausreichend hohe Validität, um in die Metaanalyse inkludiert werden zu können: Das Alter und das Geschlecht des kindlichen Unfallopfers, das Bekanntheitsverhältnis des Kindes zum Hund und die Frage nach einer unfallauslösenden Provokation. Die Metaanalyse der 25 Primärstudien in Bezug auf diese Parameter führte zu folgenden Ergebnissen:

1. Das durchschnittliche Alter des Unfallopfers betrug 7 Jahre und 1 Monat (0,8 – 17 Jahre), und das Geschlechtsverhältnis Buben zu Mädchen betrug 1,5 : 1.
2. In 64% (46 – 75%) erfolgte die Beißverletzung durch den eigenen Familienhund im eigenen Haushalt, in 79,5% (75 – 91%) war der Hund dem Kind bekannt.
3. In 62,4 % (40 – 88%) ließ sich eine unfallauslösende Provokation nachweisen.

Unter Einbeziehung der Quellen der Verhaltensforschung (Tierpsychologie) und der Humanpsychologie lassen sich diese Ergebnisse interpretieren, und können als Ansatzpunkte für die Prävention von Hunde-Beißunfällen im Kindes- und Jugendalter dienen.

Wie der aktuelle Fall aus Kärnten – wo ein Kleinkind von einem Mischling in den Kopf gebissen wurde – zeigt, können Maßnahmen wie Rasselisten oder Maulkorbzwang solche Unfälle nicht verhindern, denn im eigenen Haushalt wird der Hund keinen Maulkorb tragen. Einzig der verantwortungsbewusste Umgang und die Einhaltung der Aufsichtspflicht bei Kindern und Hunden kann Beißunfälle verhindern. Konkret rät der Arzt und Präsident des Österr. Hundehalterverbandes Dr. Hans Mosser daher, Kleinkinder und Hunde niemals unbeaufsichtigt zu lassen.