Liste gefährlicher Hunderassen erweist sich erneut als sinnlos

Foto: DoraZettListe gefährlicher Hunderassen erweist sich erneut als sinnlos

Sinnvolles Maßnahmenpaket statt sog. Rasselisten

Der aktuelle Fall von heute (8.10.18), bei dem ein Dackel ein Kind ins Gesicht gebissen und dieses schwer verletzt haben soll, zeigt erneut auf, dass es sinnlos ist, einzelne Hunderassen auf eine Liste gefährlicher Hunde zu setzen (oder diese Liste gar zu erweitern, wie von der Politik aktuell gefordert). Dass größere Hunde grundsätzlich mehr Schaden anrichten können als kleine, dafür bedarf es keiner Wissenschaft. Allerdings beweist dieser aktuelle Fall mit einem Dackel, dass man Restriktionen für Hundehalter im öffentlichen Raum nicht einfach auf große Hunde beschränken kann, wie von Gottfried Waldhäusl (FPÖ) zuletzt gefordert. Die Größe des Hundes spielt bei Hundebeißverletzungen bei Kindern aufgrund deren geringer Körpergröße keine Rolle!

Der Österr. Hundehalterverband (ÖHV) fordert die Politik daher auf, endlich von den untauglichen Rasselisten abzuweichen und an einer sinnvollen Lösung zu arbeiten, die keine Scheinsicherheit vorgaukelt, sondern echte Verbesserungen im Mensch-Hund-Zusammenleben bringt. Konkret würde ein sinnvolles Maßnahmenpaket laut Österr. Hundehalterverband (ÖHV) folgende Punkte beinhalten:

  1. Kontrolle der Einhaltung der bereits bestehenden Chippflicht. Ein Großteil der österr. Hunde sind trotz Bestehen der Chippflicht nach wie vor nicht gechipt. Und von den Hunden, die bereits gechipt sind, sind einige nicht registriert. Das bedeutet, dass der Hund zwar gechipt ist, er aber keinem Besitzer zugeordnet ist. Ausstattung diverser öffentlichen Stellen, wie auch aller Polizeidienststellen mit Chip-Lesegeräten, der derzeit hat die Polizei nicht einmal die Möglichkeit, die Chippflicht zu kontrollieren, da sie keine Chip-Lesegeräte besitzt.
  2. Verpflichtender Sachkundenachweis VOR der Anschaffung des ersten Hundes, also für Ersthundehalter. Damit kann verhindert werden, dass ahnungslose Personen oder welche, die körperlich oder geistig nicht in der Lage sind, einen Hund zu führen, auch keinen Hund bekommen.
  3. Datenbank für auffällig gewordene Hunde/Halter. Wenn ein Hundehalter bei einem Verstoß ertappt wird (z.B. Hund am Kinderspielplatz), bekommt er einen Eintrag in diese Datenbank. Bei einem weiteren Verstoß einen weiteren Punkt. Damit hat man eine Historie über auffällige Hunde und kann Sanktionen setzen. Es geht darum, auffällige Individuen herauszufiltern und nicht pauschal und plakativ fiktiv gewählte Rassen an den Pranger zu stellen. In einer solchen bundesweiten Datenbank können auch Hundebisse und deren Hergang festgehalten werden. Daran geknüpft ist eine seriöse Ursachenforschung und Aufklärung durch Experten.
  4. Verpflichtender Herkunftsnachweis für jeden neu angemeldeten Hund. Für eine funktionierende Unfallprävention ist es wichtig zu wissen, wo die Hunde herkommen. Der Österr. Hundehalterverband (ÖHV) vermutet, dass ein Großteil der auffällig werdenden Hunde aus dem Osten stammt, wo Welpen meist ohne Menschenkontakt in Zuchtfabriken aufwachsen. Dort wird der Grundstein für ein gestörtes Wesen gelegt.
  5. Handel- und Importbeschränkungen für Hundewelpen aus dem Osten. Hunde, die in aufgelassenen rumänischen Schweineställen sozial isoliert aufwachsen und aus dem Kofferraum verkauft werden, können kein normales Hundeverhalten haben. Dort liegt das Übel begraben und nicht an sogenannten „gefährlichen Rassen“.

Zu Hunderassen und Beißstatistiken

Würde man die Gefährlichkeit von Hunderassen an der Häufigkeit von Beißunfällen messen wollen, dann müssten andere Rassen in der Liste stehen, nicht aber die derzeit als sog. „Kampfhunde“ aufgelisteten. In allen, auch wissenschaftlich geführten Statistiken, die Hundebeißverletzungen nach Hunderassen und im Verhältnis zu ihrer Populationsgröße auswerten, kommen die von Politikern als gefährlich gelisteten Rassen gar nicht oder in den hinteren Rängen vor.