Der Prozess nach einem tödlichen Hundebiss – „Aktion scharf“ in Wien

Polizeipräsident Gerhard Pürstl, StRin Ulli Sima und eine Tierärztin der MA 60 beim Auftakt Hundekontrollen. Foto: Christian Houdek – PID

Die Täterin ist bestraft, der aufgebrachte Mob ist zufriedengestellt. Zu 18 Monaten Haft, davon sechs Monate unbedingt, wurde die Besitzerin eines Rottweilers, der am 10. September 2018 in Wien-Donaustadt einen 17 Monate alten Buben angefallen hatte, am Montag den 25.3. wegen grob fahrlässiger Tötung – noch nicht rechtskräftig – verurteilt. Den Rest bekam die 49-Jährige am Landesgericht Wien auf Bewährung nachgesehen.

Das Kleinkind hatte schwerste Kopf- und Schädelverletzungen erlitten und war trotz intensivmedizinischer Behandlung zweieinhalb Wochen später in einem Spital gestorben. Die betroffenen Eltern sowie die Großeltern, die den Hunde-Angriff mitansehen hatten müssen, hatten sich dem Verfahren als Privatbeteiligte angeschlossen. Sie bekamen ein Trauerschmerzengeld von insgesamt 65.000 Euro zugesprochen, wobei die Begräbniskosten inkludiert sind.

Das wichtigste Beweismittel, der Hund, wurde übereilt im Auftrag des Wiener Tierquartiers (eigentlich ein Tierschutzverein) eingeschläfert, weil er einen Pfleger gebissen haben soll. Ich vermute andere Gründe, warum das „Beweismittel Hund“ so überhastet schnell „entsorgt“ werden musste. Ursachenfindung war in solchen Fällen von Seiten der Behörde noch nie von Interesse. Warum dieser Hund das getan hat, will man nicht wissen.

Neben dem „Hauptopfer“, dem gebissenen Kind, gibt es als Folge dieses Falls noch viele weitere Tausende Opfer – die Hundehalter Wiens und im Speziellen die Halter vorverurteilter Rassen. Sie werden ihre stellvertretene Strafe noch viele Jahre, vielleicht ihr Leben lang, „abbüsen“ müssen. Denn die Wiener Stadtregierung hat umgehend unter der verantwortlichen SPÖ-Stadträtin Sima mit den Stimmen der Grünen ein rassistisches Hundegesetz (12. Novelle der Wr. Tierhalteverordnung) erlassen.

Schwerpunktkontrollen angesagt

Vermutlich nicht ganz zufällig startet Stadträtin Sima gemeinsam mit Polizeipräsident Gerhard Pürstl genau am heutigen Tag des Prozesses eine „Aktion scharf“ mit Schwerpunktkontrollen von Wiens Hundehaltern. Stadträtin Ulli Sima bläst also wieder einmal zum Halali gegen ihr Feindbild Hund. Keine PR-Agentur hätte das Timing besser erdenken können. Sima ist clever und ein Schaden für die Hunde. Heute, Montag, starten die aktuellen Kontrollen auf der Donauinsel, wo es laut Behörde angeblich immer wieder Konflikte zwischen HundehalterInnen und andern Freizeitsuchenden geben soll. Aber natürlich auch an weiteren Hot-Spots in Wien. ListenhundehalterInnen sollten sich also diese Tage an die tierschutzwidrige Malkorb- und Leinenpflicht halten (damit Sima ihre dringend benötigten PR-Artikelchen bekommt). Wien ist sicher, die Bestien unter Kontrolle … <Ironie off>

Süße Worte einer gar nicht so netten Stadträtin

In einer Presseaussendung der Landespolizeidirektion Wien und dem Büro Sima heißt es: „Nach dem tragischen Vorfall im Herbst, bei dem der Rottweiler einer betrunkenen Hundehalterin ein Kleinkind tödlich verletzt hat, haben wir die Bestimmungen verschärft, um solche Vorfälle künftig zu vermeiden. Mir geht es um die Sicherheit der Menschen, der Kinder, in unserer Stadt und natürlich um das gute Miteinander von Mensch und Hund. Dieses funktioniert aber nur dann, wenn sich alle an die Spielregeln halten“, so Tierschutzstadträtin Ulli Sima bei der heutigen Kontrollaktion. Dass Restriktionen für 6% der Hundehalter Sicherheit bringen soll, versteht wohl nur Frau Sima selbst. Spätestens, wenn ein nicht auf „Simas Liste“ stehender Hund in Wien beißt, wird es Anlass für Sima sein, weitere Rassen auf ihre Liste zu setzen. Alle derzeit nicht betroffenen Hundehalter sollten sich also nicht in Sicherheit wiegen. Und außerdem: Das von Sima (mit den Grünen) durchgepeitschte „Hundetötungsgesetz“ betrifft alle Hunde in Wien.

94% der Hundehalter dürfen jetzt saufen …

Für HalterInnen von Listenhunden gilt eine 0,5-Promille-Alkoholgrenze, wenn sie sich mit ihrem Hund im öffentlichen Raum bewegen. Alle anderen Hundehalter dürfen selbstverständlich stark betrunken mit ihrem nicht erzogenen 70 Kilo-Hund durch die Fußgängerzone torkeln … Das ist Sicherheit für Wiens Straßen àla Stadträtin Sima. Wiens Hundehalter ziehen gegen Ulli Sima los, was verständlich ist. Was mich persönlich aber noch viel mehr erschrocken hat, ist, dass die ehemals tierschutzaffinen Grünen sich für diese Schweinerei benutzen haben lassen. Denn ohne Zustimmung der Grünen hätte es Sima sehr schwer gehabt, dieses tierschutzwidrige Gesetz durchzubekommen. Der Koalitionsfriede geht anscheinend über alles. Auch über die Werte einer Partei und Tierschutz. Pfui ist das! Die nächsten Wahlen in Wien stehen vor der Tür und Hundehalter haben ein Elefantengedächtnis, wenn es ihren Hunden ans Fell geht …

Die NEOS Wien Tierschutz-Sprecherin Bettina Emmerling spricht sich gegen Rasselisten aus. Foto: NEOS Wien/Kowatsch

Die NEOS zum Thema Hundegesetze

Wenn wir schon beim Thema Politik sind – auch die NEOS Wien haben zu diesem Thema heute eine Pressemeldung herausgegeben, in der sie sich klar gegen Rasselisten deklarieren: „Bei allem Verständnis dafür, dass man nach dem tödlichen Hundebiss im Herbst versucht, die Sicherheit zu erhöhen – das nun exekutierte Tierhaltegesetz ist kein Ruhmesblatt für ‚Verbotsstadträtin Sima‘, kritisiert NEOS Wien Tierschutzsprecherin Bettina Emmerling. Die Novelle wurde im Schnellverfahren durchgeboxt – ohne ExpertInnen ausreichend einzubeziehen und evidenzbasierte Entscheidungen nach einer Begutachtungsfrist zu treffen. Insbesondere die Klassifizierung der sogenannten Listen-Hunde erscheint völlig willkürlich. Wir werden jedenfalls weiter dran bleiben und versuchen, eine vernünftige Regelung abseits von billiger Showpolitik zustande zu bringen.“

Liebe Hundehalter in Wien!

In Zeiten der für Sima medial notwendigen Schwerpunktkontrollen müsst Ihr eure vierbeinigen Lieblinge mit Maulkorb und Leine „einkerkern“. Ich denke aber, dass es in Wien überwiegend hundefreundliche Polizisten gibt, die einen verantwortungsvoll geführten Listenhund in sicheren Händen auch ohne Maulkorb geflissentlich übersehen werden. Polizisten machen auch nur ihre Arbeit und wenn man ihnen freundlich und respektvoll begegnet, wird bestimmt oft ein Auge zugedrückt. Simas lange Arme reichen – zum Glück – eben doch nicht dorthin, wo es um Menschlichkeit und Verständnis geht …

Verfasser: Gerald Pötz/ÖHV