Niederösterreich: Neue Gesetze für Hundehalter

So wie in Wien wird seit Herbst 2018 auch in Niederösterreich über strengere Auflagen für Hundehalter diskutiert. Anlass für die Diskussion waren Bissvorfälle mit einem Rottweiler, der durch das verantwortungslose Verhalten seiner betrunkenen Halterin ein Kind tödlich verletzt hat, und einem Dackel, der unter einem Heurigentisch ein Mädchen ins Gesicht biss und schwer verletzte.

FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl rief im Oktober 2018 Hundeexperten zu einem Runden Tisch. An dem „Hunde-Gipfel“ nahmen u.a. Experten der Tierärztekammer, Tierschutzombudsstelle, Kynologenverband und Wirtschaftskammer sowie aus dem juristischen Bereich und eine Hundepsychologin teil. Natürlich war auch der Österr. Hundehalterverband durch Dr. Hans Mosser mit einem Vortrag vertreten.

Experten gegen Rasseliste

Sogut wie alle Experten waren sich einig, dass die Rasselisten mit willkürlich aufgezählten Rassen wirkungslos und überdies wissenschaftlich nicht haltbar seien. Einzig der ÖVP-Landtagsabgeordnete Dr. Martin Michalitsch sprach sich gegenüber dem ÖHV strikt für die Beibehaltung der Rasselisten aus. Sie „seien eine absolute Notwendigkeit“, hielt er gegenüber Mosser im Gespräch fest. Gründe dafür – außer höchst persönliche – konnte Michalitsch, der selber Hundehalter ist, nicht nennen. „Wir werden keinen Schnellschuss machen“, betonte Waldhäusl bei diesem Treffen jedoch. Leider kann die FPÖ – die sich bereits in Wien stark gegen das neue „Hundetötungsgesetz“ engagiert hat – über das Thema nicht allein entscheiden. Die niederösterreichische ÖVP wird bei der Beschlussfassung erheblich mitbestimmen. Da bereits die bestehenden Rasselisten seinerzeit von der ÖVP beschlossen wurden, zeichnet sich ein eher düsteres Bild für die Zukunft ab.

Laut aktuellen Pressemeldungen soll es in NÖ künftig verpflichtende Kurse für Hundehalter geben. Zusätzlich sollen alle Hunde bei Menschenansammlungen Leine und Beißkorb tragen. Bereits jetzt müssen Hunde in Niederösterreich im Ortsgebiet bzw. bei Menschenansammlungen Leine oder Beißkorb tragen. Für bestimmte Hunde gelten allerdings verschärfte Regelungen. So brauchen sogenannte „Listenhunde“ und bereits zuvor auffällig gewordene Hunde – unabhängig der Rasse – beides: Leine und Maulkorb.

Alle Hundehalter betroffen

Wie der ORF am 6.3.19 berichtet, will Waldhäusl nun „jenes Modell einführen, das in Oberösterreich bereits seit 2003 gilt. Dort besteht bei Menschenansammlungen für alle Hunde sowohl Leinen- als auch Beißkorbpflicht, also etwa in Gaststätten, Einkaufszentren, Bädern und auf Veranstaltungen. Im Ortsgebiet ohne spezielle Ansammlungen dürfte die Wahlfreiheit zwischen Leine und Beißkorb jedoch – analog zu Oberösterreich – bestehen bleiben.“ Außerdem soll es für Halter von auffälligen Hunden und sog. „Listenhunden“ einen verpflichtenden Kurs im Ausmaß von zehn Stunden geben. Für die Haltung von anderen Hunden sollen sechs Stunden notwendig sein.

Auch einen „Niederösterreichischen Hundepass“ – analog zu einer Lenkerberechtigung für Autofahrer – will Waldhäusl einführen. Die neue Regelung in NÖ wird also alle Hundehalter betreffen. Der Entwurf des neuen Hundehaltegesetzes soll demnächst in Begutachtung gehen. Der ÖHV hat nach Bekanntwerden dieser Details bereits erneut mit dem Büro des Landesrats Waldhäusl Kontakt aufgenommen und angefragt, warum nun die Rasselisten bestehen bleiben sollen, obwohl sich sämtliche Experten des Runden Tisches gegen die Rasselisten ausgesprochen haben. Eine Antwort steht noch aus.