ÖHV erhebt Einspruch gegen die Änderung des NÖ Hundehaltegesetzes

An die Niederösterreichische Landesregierung
Landhausplatz 1
3109 St. Pölten

Maria Anzbach, 30.10.2019

 

 Sehr geehrte Damen und Herren,

ich (in meinem und dem Namen des Österr. Hundehalterverbandes) erhebe Einspruch gegen die Änderung des NÖ Hundehaltegesetzes Ltg.-832/A-3/331-2019 und führe dafür folgende Gründe an:

Zu §8, Absatz 3:

Ein permanenter Maulkorb- und Leinenzwang bzw. das permanente Tragen oder in einer Tasche verstauen von Hunden entspricht keiner artgerechten Haltung. Die für eine notwendige Sozialisierung von Hunden erforderlichen Situationen werden damit unterbunden und es werden durch dieses Gesetz erst Problemhunde geschaffen. Ein Kennenlernen, Beschnüffeln, Deutung von Gesten und Mimik – alles das wird unterbunden und schafft misstrauische und schlecht sozialisierte Hunde. Dieses Gesetz bringt Scheinsicherheit, aber keine Sicherheit!

Zu §8, Absatz 4:

Hunde gemäß § 2 und § 3 – sogenannte „Listenhunde“ verfügen aufgrund der fehlenden Hunde-Zonen in ausreichendem Maße über keine artgerechte Auslauf- und Kommunikationsmöglichkeit mit anderen Hunden. Der permanente Maulkorb- und Leinenzwang widerspricht daher den Anforderungen der Hundehaltung laut dem Bundestierschutzgesetz!

Zu §8, Absatz 5, Punkt 4:

Verantwortungsvolle Hundehalter werden ihre Hunde nicht unnötig mit Maulkorb und Leine versehen, weshalb sie künftig öffentliche Einrichtungen, wie Badeseen, Gaststätten, Freizeitanlagen etc. meiden werden. Hundehalter werden somit künftig in NÖ aus dem Gesellschaftsleben ausgeschlossen. Ausgrenzung ist eindeutig der falsche politische Weg.

Zu §8, Absatz 5, Punkt 5:

Dies bedeutet, dass Hunde auch bei Hundeausstellungen den ganzen Tag (außer die paar Minuten im Ausstellungsring) Maulkorb und Leine tragen müssen. Die internationale Hundeausstellung in Tulln ist eine Veranstaltung, zu der Besucher aus ganz Europa kommen. Niederösterreich wird künftig von Hundehaltern (auch im Tourismus) gemieden werden. Bei Hundesportveranstaltungen gilt das ebenso. Im Sommer beispielsweise, wenn Hunde bei Sportveranstaltungen Höchstleistungen erbringen, ihnen nach einem Turnier einen Maulkorb anzulegen, ist tierschutzrelevant und hundefeindlich.

Zu §9a:

Diese Gesetzesänderung ermöglicht es Gemeinden, jederzeit an öffentlichen Plätzen innerhalb wie außerhalb des Ortsgebietes eine Maulkorbpflicht und/oder Leinenpflicht zu verhängen. Hier muss eine „autarke hundefeindliche Gemeindepolitik“ unterbunden werden, indem z.B. beantragte Hundesicherungszonen begründet und von einem Landesgremium unter Einbeziehung der Tierschutzombudsstelle bewilligt werden müssen.

Ich fordere, von der Inkraftsetzung der Gesetzesänderungen Abstand zu nehmen und die inkriminierten Passagen nach sachlichen, wissenschaftlich fundierten und tierschutzgerechten Gesichtspunkten zu überarbeiten.

Nachsatz:

Am 24. Oktober 2018 lud der Tierschutzlandesrat Gottfried Waldhäusl zu einem Hundesicherheits-gipfel ins NÖ Landhaus. Neben dem Österr. Hundehalterverband, vertreten durch Mag. Dr. Hans Mosser waren zahlreiche Experten anwesend, die sich fast einstimmig gegen Rasselisten und für mehr Hundehalterschulung für mehr Selbstverantwortung aussprachen.

Der ÖHV-Präsident Mag. Dr. Hans Mosser sprach zum Thema „Hundebeißunfälle bei Kindern: Ursachen und Prävention“. Weiters belegte er mit diversen Studien, dass die Hunderasse als Abstraktum kein Merkmal für die Gefährlichkeit eines konkreten Hundes ist. Eine Analyse von 256 tödlichen Hundebeißunfällen in den USA zeigte, dass in 80,5% das Zusammentreffen von mind. vier (vermeidbaren) Faktoren verantwortlich sein können – nicht jedoch die Hunderasse. Dr. Hans Mosser trug auch aktuelle Zahlen aus Oberösterreich vor, einem Bundesland, in dem es keine Rasselisten gibt. Bei einer Zunahme der Hundepopulation in den letzten 10 Jahren von 56.850 auf 74.446 Hunden nahm die Anzahl der Bissverletzungen trotzdem von 322 auf 206 ab. In OÖ gibt es den „allgemeinen Sachkundenachweis für jeden „künftigen Hundehalter“ (§§ 1 u. 2), sowie den „erweiterten Sachkundenachweis bei auffälligem Hund“ (§ 4). Keine Rasseliste und keinen generellen Maulkorb- und Leinenzwang. Das oberösterreichische Modell wurde beim Hundesicherheitsgipfel im Oktober 2018 von der Mehrheit der Experten als funktionierendes und von allen Seiten akzeptiertes Modell befürwortet.

Freundliche Grüße
Gerald Pötz
Vorstand