Zu grün, um wahr zu sein – Wiese-pinkeln verboten?

Vergangene Woche ließ die Bezirksvorsteherin von Wien-Währing, Mag. Silvia Nossek, mit einer skurrilen Forderung aufhorchen. Sie spricht von hygienischen Problemen und will Hunden künftig verbieten, im Park in die Wiese zu pinkeln. Dass Hundeurin für kurzgeschnittenen Rasen nicht ideal ist, weiß man; das ist nicht neu.

Silvia Nossek von den Grünen spricht davon, dass es so nicht weiter gehen kann. Konkret geht es um den Schubert-Park im 18. Wiener Bezirk, der laut Nossek sehr stark von Kindern genutzt werden soll. Daher wäre die Verunreinigung durch die Hunde ein großes Problem. Warum das gerade jetzt ein Problem sein soll, können wir nicht nachvollziehen. Den Park gibt es ebensolang, wie es Hunde im Park gibt.

Hundefeindliche Grüne?

Auffällig ist, dass die Wiener Grünen vermehrt in die Schlagzeilen kommen, wenn es um Hundefeindlichkeit geht. Zuerst stimmen die Grünen gemeinsam mit der SPÖ für das Hunde-Rassismus-Gesetz in Wien und nun schafft es erneut eine grüne Politikerin mit der „Pinkelverbot-Affäre“ in die Medien. Wo bleibt der Tierschutz-Gedanke bei den Grünen, fragt sich so mancher Hundehalter?

Der ÖHV fragt um Stellungnahme an

Der ÖHV fragte bei der Bezirksvorsteherin Mag. Silvia Nossek nach, wie sie ihre Forderung erklärt. Gegenüber dem ÖHV spricht sie von einem Missverständnis und dass sie nur das Gespräch mit allen Beteiligten gesucht habe. Die Bestimmung, wonach Hunde in öffentlichen Grünanlagen nicht in die Rasenflächen dürfen, stamme nicht von ihr, sondern sei seit vielen Jahren in der geltenden Grünanlagenverordnung der Stadt Wien festgelegt. Hier der entsprechende Abschnitt:

„Hundehaltung in öffentlich zugänglichen Grünanlagen:
§ 5. Die Betretung von Rasenflächen durch Hunde ist ausschließlich in entsprechend gekennzeichneten Hundezonen bzw. Hundeauslaufplätzen im Sinne des Gesetzes über die Haltung von Tieren (Wiener Tierhaltegesetz), LGBl. für Wien Nr. 39/1987, in der Fassung des Gesetzes LGBl. für Wien Nr. 54/2005, gestattet.“

Zu ihrem aktuellen Vorstoß sagt Nossek gegenüber dem ÖHV: „Der Schubertpark ist ein relativ kleiner Park inmitten einer dichtverbauten Gegend – und bietet trotzdem ausreichend Platz für alle. Wenn alle aufeinander Rücksicht nehmen und sich an die Regeln halten. Er hat eine relativ große Hundezone und wird in den anderen Bereichen von Kindergärten und Schulen der Umgebung intensiv genutzt. Für viele Kinder ist er der einzige Platz zum Spielen und Austoben, für Jung und Alt ein Treffpunkt und das nächste Grün in der Nachbarschaft. Für diese Nutzergruppen ist es hygienisch untragbar, wenn in diesem kleinen Park die Grünflächen außerhalb der Hundezone auch noch als Hundeklo genutzt werden – und es ist eben auch nicht erlaubt. Wir versuchen derzeit mit unterschiedlichen Aktionen mit allen NutzerInnen ins Gespräch zu kommen, an die geltenden Regeln zu erinnern und gegenseitige Rücksichtnahme einzufordern. Nicht mehr und nicht weniger.“

Weiter schreibt Nossek, dass sie von der medialen Aufmerksamkeit und den zahlreichen Rückmeldungen einigermaßen überrascht war. Ihre Meinung über die Boulevardblätter (Anm.: ausg. Bezirkszeitung und Die Presse): „… leider in erster Linie Schlagzeilen- und Aufregungsproduktion“. Der ÖHV wird den Fall jedenfalls weiterhin verfolgen und mit den zuständigen Personen in Kontakt bleiben. Mag. Silvia Nossek zum ÖHV: „Ich habe nichts gegen Hunde. Ich bin selbst mit Hunden aufgewachsen, und ich mag Hunde.“ Ob dem tatsächlich so ist, das wird sich in den nächsten Wochen zeigen …